Im Internet findet man zunehmend Berichte über Dörfer und kleine Gemeinden, die sich dagegen zur Wehr setzen, dass ihnen auf dem Verwaltungsweg auch noch der letzte Rest ihrer Selbständigkeit genommen wird. Das ererbte Recht, über ihr Eigentum und das Schicksaal ihres Gemeinwesens in Eigenverantwortung zu bestimmen, wird von der Obrigkeit in feudaler Manier mit einem Federstrich für nichtig erklärt. Und während man den Kindern in der Schule noch das Märchen von demokratischen Gepflogenheiten und dem Prinzip der Gewaltenteilung erzählt, haben sich die betreffenden Institutionen schon über eine koordinierte Gewaltanwendung per Gesetz verständigt.

Fast unbemerkt ist im Zuge der Wende unter der Hand etwas schwer Umkehrbares geschehen. Vergleichbar dem Niedergang von Maß und Vernunft unter sozialistischen Vorzeichen sind in der erweiterten Bonner Republik menschlich und sachlich gut orientierte Bürger Stück für Stück von allen Entscheidungsfunktionen mit Zertifizierungsvorschriften ausgeschaltet und vom gefügigen akademischen Nachwuchs unter der Fahne von Qualitätsmanagement neu besetzt worden. Die politische Macht dient dem großen Geld. Dumm ist, wer es anders sieht – meint ein gewählter Ministerpräsident.

Spielraum für ein menschliches Miteinander scheint es vorerst nur noch in der Familie oder kleinen überschaubaren Gemeinden zu geben. Wer nun unter diesen Bedingungen vom zwangsweisen Entzug der Grundschule oder gar des Kindergartens betroffen ist, sollte das Verschwinden dieses Teils staatlicher Disziplinierung nicht unbedingt als nachteilig für die künftige Entwicklung des Gemeinwesens betrachten. Warum nicht der unhaltbar gewordenen Schule, dem leidigen Wartezimmer zum Leben eine öffentliche Kinderwerkstatt entgegen setzen und einen Weg finden, sich von der alten anerkannt  praxisfernen Wissensvermittlung zu verabschieden.

Unbestreitbare Lebensinteressen und natürliche Rechte der Kinder, denen die Schule schon immer entgegen arbeitet, können hier wieder Beachtung finden. Oder ist es nicht Recht, wenn sich die Kleinen in ihrem nahen Lebensumfeld mit den wichtigsten Grundlagen produktiven Schaffens vertraut machen? Warum können wir nicht zustimmen, wenn sie ihrem angeborenen Lernprogramm folgend zuerst die Dinge befragen, die sie aus eigenem Antrieb interessieren? Und ist es nicht sinnvoll, sich schon in der Kindheit mit den Sachverhalten zu beschäftigen, die für ein späteres produktives Wirken im Gemeinwesen des Heimatorts oder auch Anderswo absehbar wichtig sind.  

Die Gründung einer Kinderwerkstatt als eigenständig finanziertes Unternehmen findet sicher an jedem Ort ausreichend passende sachliche Voraussetzungen, und einen Start in der Kindersache kann man jederzeit machen. In der Auseinandersetzung mit staatlichen Zwangsmaßnahmen ist ein praxisorientiertes Gegenkonzept zu Bildungszwang und Schulerziehung sicher ein starker Punkt. Ich sehe auch keine Macht und kein Gesetz, das Bürger daran hindern könnte, notwendige Einrichtungen zur Neuorientierung des Zusammenlebens und Schaffens in einer Gemeinde ins Werk zu setzen. Sollte jemand in dieser Richtung etwas unternehmen wollen, kann er gern die schon geleistete Vorarbeit unserer Kinderwerkstatt in Anspruch nehmen.